Drucken

Travertin

Travertin


Travertin  

Gesteinskunde / Petrographie


TravertinDie lateinische Bezeichnung für Travertin erinnert an die Herkunft des schon im alten Rom oft verbauten Steins. "Lapis tiburtinus" heißt übersetzt "Stein aus Tivoli". Die Begriffe Travertin, Kalktuff und Kalksinter werden sowohl synonym, als auch zur Differenzierung unterschiedlicher Steinarten bezeichnet. Besonders oft wird Travertin als Kalktuff bezeichnet, unterscheidet sich jedoch von diesem Material durch eine deutlich erkennbare Schichtstruktur, relativ hohe Festigkeit und die deswegen mögliche Polierfähigkeit.

Technische Eigenschaften

Travertin ist ein Kalkstein von unterschiedlicher Porosität. Seine eher helle Farbe geht meistens in eine gelbliche und braune Richtung. Einige, seltenere Sorten weisen eine eher beige oder rötliche Färbung auf. Als Baumaterial verhält sich der Stein einerseits statisch zwar weniger stabil als viele andere Gesteinsarten, andererseits erleichtert die vergleichsweise geringe Festigkeit des Natursteins jedoch auch eine leichte Bearbeitung des Steins. Darüber hinaus verfügt der Stein im Vergleich zu anderen Steinarten über eine verhältnismäßig geringe spezifische Dichte und ist damit relativ leicht. Diese Eigenschaft macht den Stein besser transportabel, was zu seiner Verbreitung als Baumaterial ebenfalls beigetragen hat. Travertin lässt sich gut polieren.

Zusammensetzung und Entstehung

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Travertin um einen Süßwasserkalk, der fast ausschließlich aus Calciumcarbonat besteht. Der Stein entsteht in Süßwasserquellen unabhängig von deren Wassertemperatur. Er bildet sich durch chemische Entkalkung des Wassers, wenn das Wasser mit Kohlendioxid übersättigt ist und überschüssiges Kohlendioxid abgibt. Das Kohlendioxid löst dann das im Wasser enthaltenes Calciumcarbonat, das auch Calcit genannte Calciumcarbonat fällt aus und setzt sich schließlich Schicht für Schicht als Travertin ab. Schon geringe Mengen von Lionit im Quellwasser reichen aus, um den Stein gelblich bis braun zu färben, während das Vorhandensein von Hämatit rötliche Färbungen des Steins verursacht.

Vorkommen

Die meisten Travertin-Vorkommen sind erdgeschichtlich verhältnismäßig jung und bildeten sich erst im Quartär. Die bekannten Lagerstätten existieren auf allen Kontinenten, wo sie jedoch in jeweils eng begrenzten Gebieten vorkommen. In der Nähe von Travertin-Lagerstätten befindet sich fast immer Kalkstein- oder Marmorvorkommen, da die Carbonate im Quellwasser aus diesen Gesteinen stammen. In Deutschland kommt Travertin in Thüringen und in Baden-Württemberg vor. Aus Italien ist der Römische Travertin aus der Region von Tivoli besonders bekannt. Weitere Vorkommen finden sich in Slowenien, Ungarn, der Türkei, im Iran sowie in Aserbaidschan, Armenien, China und in den USA.

Verwendung

Besonders in Regionen, in denen größere Vorkommen des Steins existieren, wurde er traditionell besonders gerne als Material zum Bauen verwendet. Dort findet den Stein noch heute als Hauptbaumaterial in historische Stadtmauern, Kirchen und andere historische Gebäude. So nutzten schon im alten Rom die Baumeister einige Travertin-Arten zur Errichtung von leicht trocken zu haltenden Fundamentmauern, da seine offenporige Struktur zu einer vergrößerten Oberfläche führt, über die Wasser gut verdunsten kann. Auch die Säulen des Petersplatzes sind aus römischem Travertin gebaut, der hauptsächlich aus den Steinbrüchen bei Tivoli stammt. In Deutschland misst das höchste aus diesem Stein errichtete Gebäude, der Glockenturm einer Kirche in Bad Langensalza, eine Höhe von über 80 Metern. Heutzutage wird Travertin vor allem als Boden- oder Wandbelag dort verwendet, wo dekorative und gleichzeitig funktionale Natursteinoberflächen gewünscht sind.